Freitag, 12. Mai 2017

Unser erstes Mal - meine Klasse berichtet von ihrer Premiere

Zum ersten Mal habe ich in meiner Klasse Inhalte über "Erklärvideos" - einige sagen auch "simple show" - erarbeiten lassen. Die Lerner (Stufe 11) sollten sich als Einstieg in ein neues Themengebiet mit einem fiktiven Unternehmen näher beschäftigen. Kurze Anweisungen und kleine Tipps waren die einzogen "Helfer", die ich der Lerngruppe zur Verfügung gestellt habe. Etwa 2,5 Schulstunden später landeten die ersten Filme in meiner Cloud. In diesem Post reflektieren "die Filmemacher" nun selbst arbeitsteilig Ihre ersten Erfahrungen mit der neuen Methode, stellen Kriterien für gute Videos auf und geben Tipps für Ihr erstes Mal. Die klare Botschaft: Trau´ Dich, das kann jeder.



Das benötigt man [Lea, Lucia, Michelle]
Um die Erklärvideos zu erarbeiten, benötigt man folgende Gegenstände:

  • einfache Videokamera ( Handy, Kamera, etc.) zur Aufnahme des Filmes
  • Gut lesbare Stifte/ Stifte zum Beschriften/ Bemalen der Zettel
  • buntes/weißes Papier zum Basteln und Bemalen
  • einige Scheren zum Ausschneiden des Papiers
  • Stativ ( wenn vorhanden/ kann auch selber gebaut werden ) für eine gute Qualität
  • Kreativität für ein lustiges/ spannendes Video
  • Ruhige Umgebung zur Verständlichkeit des Tons

Das sind die Schritte von der Idee zum Video [Jan, Hendrik, Lennart]

Der erste Schritt, die Idee in ein Video zu verpacken, ist das Recherchieren von Informationen aus verschiedenen Quellen, die man später verständlich vermitteln und bei Fragen ausführlich erklären kann. Bilder, Statistiken und Illustrationen können beim Präsentieren helfen, jedoch müssen diese Grafiken auch gut zu erkennen sein.
Sind alle Informationen und Grafiken gesammelt, muss der Ablauf der Präsentation geplant werden. Hierzu sollte man sich Gedanken über das passende Format und die richtige Technik sowie den gesprochenen und gezeigten Inhalt machen. Die Präsentation sollte in einem logischen Zusammenhang und einer korrekten Reihenfolge präsentiert werden.
Bevor man nun zum Filmen kommt, sollte man die Präsentation proben und Fehler korrigieren. Anschließend muss man für ein stabiles Bild sorgen und dann kann man sein Video aufnehmen und bei Zufriedenheit aller Gruppenmitglieder speichern.
Nun muss das Video nur noch zum Lehrer kommen. Man kann die Videos auf den PC ziehen, da dieser die meist schon alleine komprimiert und die Datei auf Cloudspeicherdiensten wie “dropitto.me” und “Dropbox” hochladen.


Seite von dropitto.me


Das waren unsere “Techniken” [Samuel, Leon, Lennart]
Vor dem Dreh unserer Videos haben wir uns darauf festgelegt, dass diese hinterher nicht geschnitten werden. Verwendet haben wir für die Infovideos mit einer Ausnahme ausschließlich Papier, Stifte, eine Kamera, meistens die eines Handys und, wenn vorhanden, ein Stativ. Die meisten Gruppen beschrifteten oder bemalten ihre Zettel und schoben diese an der passenden Textstelle ins Bild. Bei der Gestaltung der Zettel wurde an Farben nicht gespart, damit diese nicht zu monoton und langweilig auf die Zuschauer wirkten. Dasselbe gilt auch für jene Gruppen, die andere Techniken benutzten.
Andere Gruppen legten ihre bunt bemalten und beschriebenen Zettel der Reihenfolge nach auf einem Untergrund nieder, erzählten ihren Text und gingen mit der Kamera ihre Zettel entlang.
Eine weitere Gruppe legte ihre Zettel auf einen Stapel und nahm im Laufe des Textes einen Zettel nach dem anderen vom Stapel hinunter. Hierbei war es ein Riesenvorteil, dass die Kamera nicht viel bewegt werden musste, sodass das Bild nicht verwackelt.
Eine Ausnahme gab es, im Bezug auf das Material. Eine Gruppe bastelte aus ihrem Papier Gebäude oder Symbole und nutzte zudem Playmobilfiguren, um so eine Geschichte anhand dieser Figuren darzustellen. Auch hier konnte die Kamera an einem Ort still stehen bleiben, sodass das Bild nicht verwackelt. Außerdem machte diese Gruppe schon beim Dreh Schnitte, um so das nachträgliche Schneiden, was uns ja verboten war, zu umgehen und zugleich zu verhindern, dass man Hände an den Figuren sieht.

Das hat schon richtig gut geklappt [Chiara, Charlotte, Julius]

Durch eine planmäßige Ausarbeitung, unserer kreativen Ideenentwicklung, bewies unsere Klasse einen vorbildlichen Umgang in der Videopräsentation, -gestaltung. Vorwiegend beachteten wir dabei flüssiges Reden, um Pausen innerhalb der Präsentation zu vermeiden. Damit die Videos nicht zu schlicht und einfach wurden, gestalteten wir diese mit ideenreichen Strategien, die die gesamte Klasse jedes Mal begeisterten. Auch auf eine sorgfältige Ausarbeitung der Requisiten, wie selbst angefertigtes Material in Form von Schrifttext und Bildern, legten wir sehr viel Wert.
Die ganze Präsentation bestand dabei nur aus den nötigsten Informationen, damit die Erklärvideos nicht zu lang und unübersichtlich wurden, was auch die Konzentration während des Vortrags nur negativ beeinflusst hätte. Eine weitere gute Erfahrung basiert auf die ruhige Kameraführung, während des Drehs. Dadurch bekam der Vortrag im Allgemeinen einen professionellen Eindruck, was auch der jeweiligen Gruppe zugute kam.
Zum Schluss rundete eine deutliche, laute und ausführliche Aussprache die Präsentationen positiv ab, sodass uns diese Erfahrung für zukünftig anstehende Gruppenprojekte, -hinsichtlich der Zusammenarbeit die Ausführung dieser- stärkt, sicherlich begleiten wird.

(Lerncoachanmerkung: Dass Chiara, Charlotte und Julius etwas lehrermanipulativ ;-) #Noten argumentieren, zeigt der relativierende nächste Abschnitt.)

Das lief noch nicht so rund [Laurine, Jule, Kristin]
Viele von uns haben den Fehler gemacht, dass sie zu leise gesprochen haben und somit die anderen beim Abspielen kaum etwas verstanden haben. Dazu führte auch, dass viele gestottert haben, da sie nicht flüssig den Text vorlesen konnten.

Oft waren die Hintergrundgeräusche auch zu laut und die Videos waren schlecht zu sehen, da die Lichtverhältnisse nicht gepasst haben oder sich der Blitz des Handys im Bild widergespiegelt hat.

Ebenso kam das Problem auf, dass die Bilder mit den Skizzen und der Schrift oft zu klein waren und man kaum lesen konnte, was da drauf stand.

Als Letztes waren  noch manche Techniken unvorteilhaft, da entweder der Schatten des Handys im Bild war oder das Handy zu sehr gewackelt hat und zu schnell bewegt worden ist. Für eine erfolgreiche Präsentation sollte man laut und deutlich sprechen und eine angemessene Kameraführung haben. Außerdem sollte man nicht zu viel Text haben und eine gute Kombination aus Grafiken und Text haben. Wenn man Grafiken benutzt, sollte man am besten mit gut erkennbaren Farben arbeiten, zudem sollte man auf Lichteffekte wie Blitz und Schatten achten.

Das sind unsere Kriterien an ein gutes Video [Marie, Florian, Alina, Collin, Christian, Morten, Pascal]


Damit die Präsentation für den Zuschauer gut erkennbar ist, ist es wichtig, dass die Grafiken gut lesbar und übersichtlich gestaltet werden. Dabei spielt eine gute Belichtung eine große Rolle: das Video sollte weder zu dunkel, noch zu hell sein. Außerdem sollte die Spiegelung des Kamerablitzes auf reflektierenden Untergründen vermieden werden. Bei der grafischen Darstellung sollte man die wichtigsten Aspekte hervorheben, damit diese perfekt herüber gebracht werden können. Zum Schluss ist zu beachten, dass das Video an einem ruhigen Ort aufgenommen wird, damit Hintergrundgeräusche nicht zu hören sind und dass das Video eine angemessene Länge hat.
Wenn man diese Kriterien beachtet, braucht man nur noch einen guten Inhalt zu haben und schon hat man ein gutes Video, welches präsentiert werden kann.

Das sind Tricks und Kniffe [Chris, Finn, Rudi]
Wer sein Video nicht im Kleinformat haben will, sollte sein Handy waagerecht halten und die Porträteinstellung aktivieren.
Hintergrundgeräusche sind vermeidbar, wenn man in den Stunden in den Fluren oder während der Pause in den Klassen dreht.
Auch die am besten ausformulierten Texte bringen nichts, wenn man sie nicht lesen kann. Deswegen: groß und deutlich und mit einem lesbaren Stift schreiben. Wer nicht will, dass sein Vortrag wie eine Trump-Rede klingt, sollte sich Stichpunkte machen bevor er den Ton einspricht.
Zum Schluss sollte man darauf achten, dass das Handy gerade gehalten wird, damit das Video nicht ruckelt.
Als Gruppengröße sind 3 Leute zu empfehlen, da so erfahrungsgemäß beim Vorbereiten und Drehen des Videos die beste Arbeitsteilung gewährleistet ist.

Das ist unser Fazit [Jarla, Ina, Luc]
Abschließend können wir sagen, dass die Methode sehr gut ist, da der Inhalt durch die Videos anschaulich vermittelt werden kann, da wir uns inhaltlich sehr genau mit dem Thema auseinander setzen mussten um ein gutes Video produzieren zu können.
Jedoch wurden die Videos schnell langweilig, da sich alle Schüler auf nur ein einzelnes Unternehmen bezogen haben. Unserer Meinung nach sollte man mehrere Unternehmen an die verschiedenen Gruppen verteilen, um das Aufkommen von Langeweile zu vermeiden.
Würde man den genannten Aspekt beachten, dann wäre diese Methode ein sehr guter Schritt um in ein neues Thema zu starten. Das wären weitere Anlässe [Tobias]
Kein Team wollte sich diesem Abschnitt widmen. Deshalb macht es der Lerncoach jetzt selbst: ;-)
In diesem konkreten Fall haben die Lernenden einen neuen Inhalt (hier ein Beispielunternehmen) kennengelernt. Man kann die kleinen Filme sehr gut zur Erarbeitung von neuen Inhalten einsetzen. Neben dem Zuwachs an Medienkompetenz, den die Klasse oben beschrieben hat, bietet die simple Methode gegenüber “Lesen, Markieren und Besprechen” weitere Effekte:
  • Alle Lernenden in der Kleingruppe beschäftigen sich mit dem Inhalt.
  • Unterschiedliche Zugänge nach persönlichen Vorlieben vertiefen das Verständnis (story kreieren, Texte schreiben, Skizzen malen).
  • Lernende müssen über den Inhalt diskutieren und offene Fragen und Schwierigkeiten klären, um zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen.
  • Der Inhalt wird neu strukturiert und aufbereitet. Das macht eine Vernetzung einfacher.
  • Durch das wiederholte Üben während der Proben memoriert der Lerner “on the fly”.
Wie wäre es also … (angelehnt an meine eigenen Erfahrungen als Schüler)


… den Inhalt eines Buchkapitels nicht über eine Inhaltsangabe sondern per Erklärvideo wiederzugeben.
… die Biografie eines Autors / Wissenschaftlers / Politikers in einem kleinen Film statt auf einem Plakat zu skizzieren?
… die Ableitungsregeln in Mathematik per Video zu wiederholen statt sie auf einem Merkblatt zu notieren?
… den Calvin-Zyklus schrittweise in einem Video aufzubauen statt ihn von der Tafel abzumalen?
… die Sonatenhauptsatzform mit Hilfe von Partitur und Musik als Video zu identifizieren statt sie in einem Unterrichtsgespräch zu entwickeln.


Als Lerncoach bereiten Sie für die Lerner nichts weiter vor als den Informationstext (sofern Sie auf eine eigene Recherche verzichten möchten), einen ungefähren Ablauf, das Material und eine Möglichkeit, die Videos digital “in Empfang zu nehmen”.


Trau´Dich, das kann jeder.

P.S. Leider kann ich Ihnen hier kein fertiges Video zeigen, da ich die Lerngruppe zuvor nicht auf eine mögliche Veröffentlichung hingewiesen habe. Das fände ich unfair.


1 Kommentar:

  1. Lieber Tobias,
    das hört sich total genial an. Vielleicht geben die Lerner ja noch ihr OK für das Veröffentlichen von Beispielen? Ich wäre sehr gespannt...
    LG, Katharina

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